Revue Akkkunda-scientific

LABORATOIRE DE RECHERCHE SUR LES MÉDIAS, LES LANGUES, LES LITTÉRATURES, L’ORALITÉ ET LES DYNAMIQUES SOCIALES

Auteur.e.s

EDI Yapi Pierre-Clovis, .

Titre

Ehebruch als Spiegel gesellschaftlicher und psychologischer Zwänge: Eine Analyse der Novelle Angst von Stefan Zweig

Résumé

Der vorliegende Artikel untersucht Stefan Zweigs Novelle Angst (1920) und zeigt auf, wie der Ehebruch als Symptom sozialer und psychologischer Spannungen der bürgerlichen Gesellschaft im Wien des späten 19. Jahrhunderts verstanden werden kann. Anhand der Figur Irene, einer Ehefrau, die in einer durch Konventionen und gesellschaftliche Achtung bestimmten Ehe gefangen ist, inszeniert Zweig eine existentielle Flucht, die sich in einer außerehelichen Beziehung äußert. Diese Überschreitung stellt jedoch keine bloße sentimentale Abweichung dar, sondern eine Identitätssuche, in der die Heldin versucht, ihre Freiheit gegenüber den Zwängen der Moral zurückzugewinnen. Gleichzeitig führt der Ehebruch zu einer Spirale von Schuldgefühlen und Angst, die durch Erpressung ausgenutzt wird und sowohl die Zerbrechlichkeit sozialer Strukturen als auch die Ambivalenz weiblicher Wünsche verdeutlicht. Damit erweist sich der Ehebruch bei Zweig nicht als Randmotiv, sondern als kritischer Spiegel der gesellschaftlichen Ordnung und ihrer Widersprüche.

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